Lesung im Literaturhaus Berlin, 29.09.07
Präsentation der Literaturzeitschrift Belletristik, Ausgabe 05
Es fällt über das,
was ich bin,
immer wieder mein Körper her. 1
Das topographische Berlin ist zu groß für mich. Wo ich nicht zu Fuß
von einem Ort zum anderen gelangen kann, fühle ich mich nicht sicher. Das
ständige Auf und Ab der Treppen zwischen U- und S-Bahnhöfen, das Warten
auf Bahnsteigen, das Empfinden von Entfernung im rasanten Tempo der Züge,
der ölige Geruch in den Abteilen. Entspanne dort, wo Raum keine Rolle spielt:
beim Betrachten von Menschen, in Gesprächen mit bewegenden Personen, im
Suchen nach Detailfotomotiven, kleinen Dingen in Geschäften. Und immer
Anna dabei.
Dann die Lesung am zweiten Abend. Im Literaturhaus Berlin. Freier Eintritt (?)
– in Berlin unvorstellbar, zeugt er hier doch von niedriger Qualität.
Und so zahlen alle ohne Murren sieben Euro für den Einlass, was wiederum
in Bremen unvorstellbar wäre... Nun bin ich ein Fisch im Wasser, denn im
Lesen vor Leuten komme ich bei mir an. Johannes CS Frank, seinerseits Verlagsleiter
und Herausgeber der Zeitschrift, leitet durch den Abend wie der gute Waldbär
durch Janoschs Traumstunde, nachdenklich-bedächtig-weise, mit Gefühl
für Selbstironie. Anna und ich sind begeistert von dem literarischen Niveau
der in Berlin lebenden Autoren, die hier ihre Texte dem rund vierzigköpfigen
Publikum vorstellen. Die meisten haben nicht nur etwas zu erzählen, sondern
tun dies zudem in eigener Sprache. Dominic Angeloch, Hannes Köhler und
Clemens Schittko, um nur wenige zu nennen. Ich lese als Dritte, Auszüge
aus der Erzählung „Weiße Frucht“. Die Wertschätzung,
die mir von den anderen Autoren, von Illustratoren, kurz, dem Künstlerkreis
um die Belletristik herum, entgegengebracht wird, ehrt mich sehr. Da geht es
nicht um Vereinnahmung oder gar Selbstbeweihräucherung, sondern um ehrliche
Worte, die Literatur wirklich ernstgenommen wissen wollen. Das haben Anna und
ich an zwei netten Abenden erfahren dürfen.
Und so bin ich zwar einerseits froh, vom Raum her gedacht, wieder im beschaulichen
Bremen zu sein, aber andererseits, so von Innen her, fehlt hier auch was. Also
gilt wohl doch bald wieder für mich, trotz aller Scheu: Berlin ist immer
eine Reise wert.
Belletristik Ausgabe 05. Literatur/Zeit/Schrift
62 Seiten, 7,60 Euro.
Zu beziehen unter: www.belletristik-berlin.de
j-la, 01.10.07
1 Ein wunderbarer Satz von Clemens Schittko (Aus: Ein anderes Wort. Text in der Belletristik 05).