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Textauszüge von Anna und Janine

Anna: „Die Stadt da draußen“

(.....) Die Stadt strömte durch den Raum ohne mich wahrzunehmen. Meine Anwesenheit schlug keine Wellen, da draußen ging alles weiter wie gewohnt.
Ich war ein weißer Fleck auf dem Stadtplan den niemand registriert, ein blindes Auge, meine Lebendigkeit reichte gerade dazu aus, ein Zimmer zu füllen. (...)
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Momente kurz vor dem Einschlafen, in denen alles verschwamm und verschmolz, die Fremde und das Vertraute, ich und die Stadt. In diesen Zwischenzeiten war ich ihr einzig wahrer Vertrauter:
Das Vorhandensein der Wände erscheint mir wie eine Imagination, stabilisiert nur von meinem Atem, der die Luft zu Materie werden lässt, in einer Dunstglocke aus Körperlichkeiten und Gedankenresten hänge ich unsichtbar mitten in der Stadt, die sich über mich hinweg wälzt, Geräuschen und Gerüchen bin ich unmittelbar ausgesetzt, dann, ganz langsam, sinke ich tiefer und tiefer, Füße treten mich in den Boden, die mich umgebende schützende Kapsel beult und dehnt sich wie ein Gummiball, ich trudle hinunter in den rauschenden, tosenden Schoß der Metropole, versinke, schlafe ein. (...)



Janine: Auszug aus der Erzählung WEIßE FRUCHT


[hjie] - [hjie]. Ein heftiges Luftschnappen in hohle Resonanz. Der massige Körper löst sich allmählich aus seiner Starre, wälzt nachdrücklich hin und her. Eine große Faust stützt ab und beide kurzen Beine rollen zu Boden. Sind dann im Stand gebeugt. Zwischen ihnen hängen zwei feuchte Fleischlappen. Kurz streift mich ein Blick aus kleinen eingerückten Augen. Doch der Kopf kann sich nicht halten und kippt zur Seite gegen den Bettpfosten, wobei sie ihre Augen schließt. Es ist ein Menschenaffe. Ein Orang-Utan-Weibchen. Mit urwüchsigen Fingern umklammert sie das Pfostengitter, gegen das Bett gelehnt zwingt sie sich wankend zum Stehenbleiben. Die Nasenöffnungen wippen geregelt. Die schmalen Lippen der Affenfrau sind mit dicker roter Farbe, die faltigen Lider mit sattem Blau beschmiert. Nur auf dem Kopf hat sie flauschiges brünettes Haar, der Rest von ihr ist kahl geschoren.
Ich zucke, denn es schrillt plötzlich ein grelles Klingeln, das ich zunächst nicht orten kann.
„Wir sind heute auf 60, Flur Ost.“
Hinter dem Kopfteil des Bettes kriecht eine runzelige Frau hervor. Adrett. In einem beigen Kittelkleid mit altmodischem Blumendekor. Sie spricht in ein Sprechgerät.
„Ein bisschen müde vielleicht, deine Runde noch.“
Während sie zuhört, bemerkt sie mich und gibt mir ein barsches Zeichen zum Weitergehen. Dabei rasselt sie mit schweren Armreifen, die um ihr dünnes Handgelenk greifen. In der Hand hält sie einen zerkauten Schnuller.
Orang-Utans helfen: www.regenwald.org !!!

Aktuelle Infos zu Janine Lancker finden Sie unter: www.literaturhaus-bremen.de.
Dort gibt es eine Liste ihrer diesjährigen Projekte, Text- und Audioproben.